Michael Hudecek

Geboren im Metall-Büffel Jahr 1961 in Wien. Filmeditor, Regisseur und Musiker. Seit 2009 Univ.-Prof. für Schnitt an der “Filmakademie Wien” (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) Auszeichnungen: „Goldenen Kader“ (Österreichischer Filmpreis 1994) „European Film Award“ (2005). Sein Musikdokumentarfilm „Stimmen Stimmen Gegenstimmen“ wurde 2014 beim Diagonale-Filmfestival uraufgeführt.

Michael Hudecek

Wie war es für Dich, bei unserem Filmprojekt mitzuwirken?
Ich finde es sehr wichtig, dass es ein Projekt wie dieses gibt. Die aktuelle Zeit zeigt, dass ein Paradigmenwechseln ansteht und auch notwendig ist. Unser Gesundheitssystem steht mit dem Rücken zur Wand. Es braucht neue Perspektiven, neue Ansätze, neue Gedankengänge. Es braucht eine Brücke zwischen komplementären Methoden und klassischer Schulmedizin. Die beste Medizin ist immer noch die, die versucht, das Entstehen von Krankheiten zu vermeiden oder zu verzögern. Gerade jetzt sollten Ansätze in diese Richtung ohne Vorbehalte und lösungsorientiert diskutiert werden können. Damit vor allem der Intensivmedizin die Ressourcen erhalten bleiben, die sie dringend benötigt.

Was bedeutet Gesundheit für Dich?
Mir gefällt die Gesundheitsdefinition der WHO. Gesundheit sollte nicht die Abwesenheit von Krankheit sein, sondern ein Zustand umfassenden Wohlbefindens, auch auf emotionaler und sozialer Ebene. Das ist natürlich ein utopischer Zustand. Aber es geht um die kontinuierliche Annäherung an diesen Zustand. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass wir als menschliche Wesen Krankheit einfach nicht vermeiden können. Ist der Körper krank, die Psyche aber gesund, dann stehen uns Ressourcen zu Verfügung, um mit derartigen Zuständen besser umgehen zu können. Gesundheit drückt sich vor mich am ehesten in dem vitalen Bedürfnis aus, sich als Mensch auf allen Ebenen des Seins fruchtbar weiter zu entwickeln.

Welche Assoziationen kommen Dir zu dem Zitat „Gesundheit ist kein Zustand,sondern eine Geisteshaltung“ (Thomas von Aquin 1225 – 1274)?
Gesundheit ist ein dynamischer Werdungsprozess. Die Geisteshaltung ist für diesen Prozess entscheidend. Ich kenne physische sehr kranke Personen, die geistig sehr gesund sind. Und ich kenne physisch kerngesunde Personen, die im Kopf furchtbar leiden.

Wie wichtig ist Eigenverantwortung?
Eigenverantwortung ist nicht nur wichtig, sie ist entscheidend. Wir nehmen Gesundheit viel zu sehr als gegeben hin. Der größte Feind der Gesundheit ist immer noch unser Lebensstil. Würden wir hier ansetzen, würden wir uns Millionen an verfrühten Todesfällen und Milliarden im Gesundheitswesen sparen. Von der Lebensqualität ganz zu schweigen.

Was bedeutet „Ein guter Tag“ für Dich?
Ein guter Tag kann auch ein schlechter Tag sein. Denn ein guter Tag ist für mich ein Tag, an dem ich mich weiterentwickelt habe. Die Weiterentwicklung findet aber meist in der Konfrontation mit Widerständen statt. In diesem Sinne kann auch ein sehr „schlechter“ Tag ein guter sein, hat er mir die erforderlichen Wachstumsreize beschert.